Drehbuch Tips: Masterplots

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“Der Plot is diffundierend; er dringt in jedes Atom der Geschichte ein. (…) Er ist eine Kraft, die jede Seite, jeden Absatz, jedes Wort durchdringt. (…) Diese Kraft bringt Bilder, Ereignisse und Menschen in Übereinstimmung.” – Ronald B. Tobias, ĂŒbers. v. Petra Schreyer

Ohne einen guten Plot mangelt es einer Geschichte an Energie und Halt. Drehbuchautoren sollten sich nicht nur auf die Dialoge oder Grundideen konzentrieren, sondern auch darauf, wie diese am besten vermittelt und verpackt werden können – und dafĂŒr ist der Plot zustĂ€ndig.

In dem empfehlenswerten Buch “20 Masterplots: Die Basis des Story-Building in Roman und Film” geht Ronald B. Tobias auf die Hauptplots ein, die seiner Meinung nach den Kern der meisten Filme und BĂŒcher ausmachen.


Tobias kategorisiert die Plots in innere und Àußere Plots.

  • Äußere Plots sind physisch/handlungsorientiert. Es geht hauptsĂ€chlich um die Ă€ußere Handlung; das “Was”.
  • Innere Plots sind entweder hauptsĂ€chlich figurenorientiert und/oder geistig. Entweder geht es hauptsĂ€chlich um das Innenleben der Figur(en), welche am Ende der Geschichte verĂ€ndert ist/sind; das “Wer”. Und/Oder es geht um Ideen; das “Warum” oder “Wie”.

Nach Tobias sind viele Filme und BĂŒcher eine Mischform der beiden Plot-Typen, aber generell ĂŒberwiegt ein Typ den anderen und bildet die “treibende Kraft”. So kann ein Abenteuer-Film sich bis zu einem gewissen Grad mit Werten, Ideen, und Ähnlichem beschĂ€ftigen, und ein tiefgĂ€ngiger Film kann einige Action-Elemente aufweisen.

Die Entscheidung fĂŒr einen inneren oder Ă€ußeren/physischen Plot hĂ€nge von dem “Hauptantrieb” der Geschichte ab: Soll die treibende Kraft in der Handlung liegen, so sei ein Ă€ußerer Plot vorzuziehen. Ist die Handlung eher unwichtig oder zweitrangig, solle der Plot ein innerer sein.

Mir scheint es, als ob Low-Budget Filme hĂ€ufiger einen inneren Plot haben; wenn das Hauptaugenmerk auf den Figuren liegt, sind meist weniger Locations, eindrucksvolle Special Effects, schnelle Kamerafahrten u.Ä. vonnöten. Doch ist es sicherlich möglich, auch einen physischen Low-Budget Film zu drehen; es könnte nur mehr technisches Geschick und Einfallsreichtum erfordern.

  • Die folgenden Plots sind physisch(er): (Die Suche), Das Abenteuer, Die Verfolgung, Die Rettung, Die Flucht, Die Rache
  • Dieser Plot ist geistig: Das RĂ€tsel
  • Die folgenden Plots sind figurenorientiert: (Die Suche), (Die Rettung), (Die Rache), (Die RivalitĂ€t), (Der Underdog), Die Versuchung, Die Metamorphose, Die Verwandlung, Die Reifung, Die Liebe, Die verbotene Liebe, Das Opfer, Die Entdeckung, Die Grenzerfahrung, Der Aufstieg, Der Fall

Hier ist die Übersicht, welche ins Detail geht. (In English)


Was haltet ihr von diesen Masterplots? Findet ihr sie hilfreich? Und welche Plots wĂŒrdet ihr ergĂ€nzen?

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Drehbuch Tips: Speed Writing #2

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Es gibt eine Übung, die fĂŒr Drehbuchautoren sehr nĂŒtzlich sein kann, genannt Speed Writing, bei der man so viel wie möglich in einer kurzen Zeitdauer niederschreibt; idealerweise gelangt man dabei in einen “Flow” des Bewusstseins, der den inneren Kritiker stumm schaltet.

Ich entdeckte diese Übung in Charles Harris’ “Complete Screenwriting Course” Ebook,  das ich bereits hier erwĂ€hnt habe.

Harris gibt dem Leser die Speed Writing Aufgabe, bei der man so viel wie möglich in 10 Minuten schreibt, ohne Pause.

Das Ziel ist es einfach, ĂŒberhaupt zu schreiben – was das Herzblut jeden Schreibers ausmacht.

Manchmal ist ein Schreiber zu eingeengt oder uninspiriert um etwas zu Papier (oder Ähnlichem) zu bringen. Typischerweise ist die Ursache dafĂŒr der Einfluss des inneren Kritikers, der einen zensiert bevor man ĂŒberhaupt irgendein ein Wort oder einen Gedanken ausformulieren kann.

Beim Speed Writing ist man dazu genötigt zu schreiben was immer einen in den Sinn kommt; und folglich wird der innere Kritiker von dem Fluss des Schreibens ĂŒberrumpelt, sodass er nicht mitmischen kann.

Außerdem kann man auf diese Weise eine Schreibblockade durchbrechen, wĂ€hrend man die Übung durchgeht.

Nun fragst du dich sicherlich: “Das ist ja schön und gut, aber ĂŒber was soll ich schreiben? Und wie?”

Du kannst ĂŒber alles schreiben, was dir in den Sinn kommt; idealerweise eine Szene, oder etwas Dialog, oder eine Character-Beschreibung, aber es könnte irgendetwas sein, was dich interessiert.

BezĂŒglich des besten Mediums wĂŒrde ich empfehlen, auf einem Laptop oder Computer zu schreiben, da du auf diese Weise so viel wie möglich in einer kurzen Dauer aufschreiben kannst. Vergiss nicht, das Geschriebene zu speichern!

Jetzt fragst du dich: “Okay, aber machst du eigentlich Speed Writing Übungen?”

Ich finde die Übung am hilfreichsten, wenn ich an einem Mangel an Inspiration, einer Schreibblockade leide, oder wenn ich mich einfach nicht dazu bringen kann, ĂŒberhaupt zu schreiben.

Abgesehen davon finde ich es nicht nötig, die Übung regelmĂ€ĂŸig zu machen; außer du findest Freude daran und es intensiviert deine Lust, an deinem Projekt weiterzuarbeiten.

Zum Schluss ist hier das Resultat von meiner zweiten Speed Writing Übung, die ich jemals gemacht habe (20. August 2017):

Tom: Was ist denn hier los?
Jonas: Mein Bruder ist weg.
Julia: Wie, weg?
Jonas: Na weg, halt.
Tom: Wer ist weg? Dein Bruder Kalle?
Jonas: Ja, Kalle. Der Kalle.
Lukas: Ha, der ist echt gut. Der Kalle, einfach weg.
Katrin: Vielleicht ist er nur bei seiner Freundin?
Jonas: Er hat keine Freundin mehr. Seit einem Monat nicht mehr.
Lukas: Was, wenn er eine neue Freundin hat?
Jonas schĂŒttelt den Kopf.
Jonas: Nein, ich bin mir ganz sicher, dass er nicht bei irgendeinem MĂ€del ist.
Lukas: Vielleicht ist er bei einem jungen Mann?
Tom: Nicht jeder Typ denkt wie du, Lukas.
(Alle lachen ein wenig, außer Jonas)
Jonas: Mann, ich mache keine SpĂ€ĂŸe hier. Das ist ernst. Ich habe schon alles versucht. Ich kann ihn einfach nicht erreichen.
Katrin: Wann und wo hast du ihn das letzte Mal gesehen?
Lukas: Du und deine Krimis, Katrin.
Katrin: Oh Lukas, Halts-Maul.
Tom: Hey hey, regt euch ab, ja? Es ist immerhin Jahre her, dass ihr euch getrennt habt.
Lukas: Ja, zum GlĂŒck hab ich ne Neue.
Katrin: Oder einen Neuen.
Tom: Ich geh dann mal was zu trinken holen.
Lukas: Bring was fĂŒr mich mit.
Tom geht aus dem Raum.
Jonas: Welcher Tag ist heute?
Katrin: Ich glaub Montag

Jonas: Also ich habe ihn gestern zwar nicht gesehen, aber mit ihm bei WhatsApp gechattet.
Katrin: Was hat er gesagt?
Man hört im Off Tom Biere öffnen.
Jonas: Nichts besonderes. Er meint, er hÀtte einen neuen Job gefunden oder so, nachdem Dad ihn entlassen hat. Dann ist er schlafen gegangen. War schon spÀt. Zwei Uhr morgens.
Tom vom Off, kommt gleich danach zurĂŒck in den Raum mit zwei Bieren in der Hand.
Tom: Warum arbeitet dein Bruder ĂŒberhaupt, ist euer Vadder nicht stinkreich?
Tom zu Lukas: Hier.
Lukas zu Tom: Thank you very much.
Jonas (zuckt mit den Schultern): Ich hab schon lange nicht mehr mit ihm geredet.
Katrin: Warum nicht?
Lukas (nachÀffend): Ja, warum nicht?
Tom (warnend): Lukas.
Lukas: Jaja, sorry.
Tom: Warum hat er deinen Bruder ĂŒberhaupt entlassen?
Katrin: Gute Frage.
Tom: Danke.
Jonas: Das ist es ja. Ich glaube, Kalle flĂŒchtet vor den Bullen.
Lukas: Den Bullen? Wtf.
Jonas: Mein Dad entließ ihn von seiner Firma als jemand von den Drogen Wind bekam.
Lukas: Du meinst, als jemand von ihm Drogen abkaufen wollte.
Katrin: Lukas, du bist ein vollkommener Idiot.
Lukas: Danke, Schatz. Gleichfalls.
Tom: Pssch!
Jonas: Lukas hat gar nicht so Unrecht. Anyway. Es sieht so aus, als wĂ€re Kalle noch tiefer in das Drogen-Business abgestiegen. Irgendwas muss passiert sein. Bevor er Off gegangen ist, meinte er noch, er hĂ€tte mir etwas super Geniales zu zeigen morgen. Jetzt ist es morgen, und keiner weiß, wo er ist.