Drehbuch Tips: Speed Writing #2

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Quelle

Es gibt eine Übung, die für Drehbuchautoren sehr nützlich sein kann, genannt Speed Writing, bei der man so viel wie möglich in einer kurzen Zeitdauer niederschreibt; idealerweise gelangt man dabei in einen “Flow” des Bewusstseins, der den inneren Kritiker stumm schaltet.

Ich entdeckte diese Übung in Charles Harris’ “Complete Screenwriting Course” Ebook,  das ich bereits hier erwähnt habe.

Harris gibt dem Leser die Speed Writing Aufgabe, bei der man so viel wie möglich in 10 Minuten schreibt, ohne Pause.

Das Ziel ist es einfach, überhaupt zu schreiben – was das Herzblut jeden Schreibers ausmacht.

Manchmal ist ein Schreiber zu eingeengt oder uninspiriert um etwas zu Papier (oder Ähnlichem) zu bringen. Typischerweise ist die Ursache dafür der Einfluss des inneren Kritikers, der einen zensiert bevor man überhaupt irgendein ein Wort oder einen Gedanken ausformulieren kann.

Beim Speed Writing ist man dazu genötigt zu schreiben was immer einen in den Sinn kommt; und folglich wird der innere Kritiker von dem Fluss des Schreibens überrumpelt, sodass er nicht mitmischen kann.

Außerdem kann man auf diese Weise eine Schreibblockade durchbrechen, während man die Übung durchgeht.

Nun fragst du dich sicherlich: “Das ist ja schön und gut, aber über was soll ich schreiben? Und wie?”

Du kannst über alles schreiben, was dir in den Sinn kommt; idealerweise eine Szene, oder etwas Dialog, oder eine Character-Beschreibung, aber es könnte irgendetwas sein, was dich interessiert.

Bezüglich des besten Mediums würde ich empfehlen, auf einem Laptop oder Computer zu schreiben, da du auf diese Weise so viel wie möglich in einer kurzen Dauer aufschreiben kannst. Vergiss nicht, das Geschriebene zu speichern!

Jetzt fragst du dich: “Okay, aber machst du eigentlich Speed Writing Übungen?”

Ich finde die Übung am hilfreichsten, wenn ich an einem Mangel an Inspiration, einer Schreibblockade leide, oder wenn ich mich einfach nicht dazu bringen kann, überhaupt zu schreiben.

Abgesehen davon finde ich es nicht nötig, die Übung regelmäßig zu machen; außer du findest Freude daran und es intensiviert deine Lust, an deinem Projekt weiterzuarbeiten.

Zum Schluss ist hier das Resultat von meiner zweiten Speed Writing Übung, die ich jemals gemacht habe (20. August 2017):

Tom: Was ist denn hier los?
Jonas: Mein Bruder ist weg.
Julia: Wie, weg?
Jonas: Na weg, halt.
Tom: Wer ist weg? Dein Bruder Kalle?
Jonas: Ja, Kalle. Der Kalle.
Lukas: Ha, der ist echt gut. Der Kalle, einfach weg.
Katrin: Vielleicht ist er nur bei seiner Freundin?
Jonas: Er hat keine Freundin mehr. Seit einem Monat nicht mehr.
Lukas: Was, wenn er eine neue Freundin hat?
Jonas schüttelt den Kopf.
Jonas: Nein, ich bin mir ganz sicher, dass er nicht bei irgendeinem Mädel ist.
Lukas: Vielleicht ist er bei einem jungen Mann?
Tom: Nicht jeder Typ denkt wie du, Lukas.
(Alle lachen ein wenig, außer Jonas)
Jonas: Mann, ich mache keine Späße hier. Das ist ernst. Ich habe schon alles versucht. Ich kann ihn einfach nicht erreichen.
Katrin: Wann und wo hast du ihn das letzte Mal gesehen?
Lukas: Du und deine Krimis, Katrin.
Katrin: Oh Lukas, Halts-Maul.
Tom: Hey hey, regt euch ab, ja? Es ist immerhin Jahre her, dass ihr euch getrennt habt.
Lukas: Ja, zum Glück hab ich ne Neue.
Katrin: Oder einen Neuen.
Tom: Ich geh dann mal was zu trinken holen.
Lukas: Bring was für mich mit.
Tom geht aus dem Raum.
Jonas: Welcher Tag ist heute?
Katrin: Ich glaub Montag…
Jonas: Also ich habe ihn gestern zwar nicht gesehen, aber mit ihm bei WhatsApp gechattet.
Katrin: Was hat er gesagt?
Man hört im Off Tom Biere öffnen.
Jonas: Nichts besonderes. Er meint, er hätte einen neuen Job gefunden oder so, nachdem Dad ihn entlassen hat. Dann ist er schlafen gegangen. War schon spät. Zwei Uhr morgens.
Tom vom Off, kommt gleich danach zurück in den Raum mit zwei Bieren in der Hand.
Tom: Warum arbeitet dein Bruder überhaupt, ist euer Vadder nicht stinkreich?
Tom zu Lukas: Hier.
Lukas zu Tom: Thank you very much.
Jonas (zuckt mit den Schultern): Ich hab schon lange nicht mehr mit ihm geredet.
Katrin: Warum nicht?
Lukas (nachäffend): Ja, warum nicht?
Tom (warnend): Lukas.
Lukas: Jaja, sorry.
Tom: Warum hat er deinen Bruder überhaupt entlassen?
Katrin: Gute Frage.
Tom: Danke.
Jonas: Das ist es ja. Ich glaube, Kalle flüchtet vor den Bullen.
Lukas: Den Bullen? Wtf.
Jonas: Mein Dad entließ ihn von seiner Firma als jemand von den Drogen Wind bekam.
Lukas: Du meinst, als jemand von ihm Drogen abkaufen wollte.
Katrin: Lukas, du bist ein vollkommener Idiot.
Lukas: Danke, Schatz. Gleichfalls.
Tom: Pssch!
Jonas: Lukas hat gar nicht so Unrecht. Anyway. Es sieht so aus, als wäre Kalle noch tiefer in das Drogen-Business abgestiegen. Irgendwas muss passiert sein. Bevor er Off gegangen ist, meinte er noch, er hätte mir etwas super Geniales zu zeigen morgen. Jetzt ist es morgen, und keiner weiß, wo er ist.

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